17. Swissmem Symposium: Bewegte Zeiten auf verschiedenen Ebenen :: Swissmem - Der Werk- und Denkplatz Schweiz

17. Swissmem Symposium: Bewegte Zeiten auf verschiedenen Ebenen

Von: Gabriela Schreiber, Ressortleiterin Kommunikation

05.09.19

«MEM-Branche im Wandel» war das Thema des diesjährigen Branchentreffpunkts. Es war die Rede von Entwicklungen, denen die Branche ausgesetzt ist bis zu solchen, welche die Unternehmen selber anstossen. Und es ging um die Rolle von Führungskräften in diesen bewegten Zeiten. Analysen, Prognosen und Erfolgsgeschichten vermittelten den zahlreich erschienenen Teilnehmenden Erkenntnisse und inspirierende Inputs.

«Die Situation ist noch nicht dramatisch, aber der Abwärtstrend ist da.» Dies das Fazit von Swissmem-Direktor Dr. Stefan Brupbacher, als er in seinem Eröffnungsreferat die derzeitige Situation der MEM-Branche anhand der aktuellen Konjunkturdaten erläuterte. Umso wichtiger sei es, dass die Schweizer Politik auf verschieden Gebieten handelt; so gilt es für ihn unter anderem das Rahmenabkommen mit der EU zu sichern und weitere Freihandelsabkommen abzuschliessen oder bestehende zu optimieren.

 

Auch aus makroökonomischer Perspektive konnte Dr. Daniel Kalt, Chefökonom UBS, die dunklen Wolken nicht vertreiben. Der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China sorgt weltweit für Verunsicherung. Zwar laufen die Konsum- und Dienstleistungssektoren noch immer vergleichsweise solide, aber auch er geht in seinem Hauptszenario von einer weltweiten Verlangsamung der Konjunktur aus.

 

Peter Meier und Josua Burkart von der hpo forecasting ag lenkten dann den Blick wieder auf die Industrie und wagten eine Prognose für nächstes Jahr. Gemäss ihrer Analyse hat die Branche vor einem Jahr den Scheitelpunkt erreicht und sie bestätigten die Einschätzungen der vorangegangenen Referate. Auch sie rechnen damit, dass 2020 wohl ein schwieriges Jahr werden dürfte.

 

In dieser Situation, so Dr. Roger Wehrli, Stv. Leiter allgemeine Wirtschaftspolitik & Bildung economiesuisse, sei es umso bedauerlicher, dass die Politik wenig Dynamik zeige. In der laufenden Legislatur-Periode wären keine grossen Fortschritte im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz erzielt worden. Zu oft habe sich die Politik damit begnügt, den Status quo zu verwalten.

 

Mit Yvonne Bettkober, General Manager Switzerland bei Amazon Web Services, rückte dann das einzelne Unternehmen in den Fokus. Wie können Führungskräfte die eigene Organisation befähigen, mit den rasanten Technologieentwicklungen umzugehen, welche auch die Arbeitsweisen grundlegend verändern? Was soll man implementieren? Wie überwindet man interne Widerstände? Wie geht man mit Risiken um? Für die erfolgreiche Etablierung einer digitalen Kultur muss man auf die Menschen setzen. Zwei der Empfehlungen Bettkobers: Teilen sie ihren Mitarbeitenden nicht nur mit, was getan werden muss: Erklären sie vielmehr das Warum, denn da liegt die Motivation. Und hören sie der Jugend zu, lernen sie von ihnen und geben Sie Ihnen die Chance, sich zu beteiligen.

 

Wie sich in der Praxis ein Grossunternehmen und ein KMU den Veränderungen stellen oder diese sogar vorwegnehmen, zeigten die inspirierenden Präsentationen von Riet Cadonau, CEO dormakaba Gruppe, und Urs Wullschleger, Inhaber/CEO Wilhelm Schmidlin AG. Ersterer zeigte auf, wie seine Firma auf dem Weg der digitalen Transformation voranschreitet und hierfür konsequent die aktuellen Kundenbedürfnisse als Kompass nutzt. Mit einem umfassenden Sortiment an Produkten, Lösungen und Services gehört die dormakaba international zu den Top 3 Unternehmen ihrer Branche. Urs Wullschleger zeigte auf, wie Unternehmenskultur auf Basis der Kaizen-Philosophie aussehen kann. Jeden zweiten Mittwoch stehen bei der Wilhelm Schmidlin AG die Maschinen still. Die Mitarbeitenden arbeiten an diesen Tagen in kleinen Workshop-Gruppen an einem klaren Ziel: Die Durchlaufzeiten im Betrieb sollen reduziert werden. Es geht um konkrete Ideen, die möglichst am Tag darauf umgesetzt werden können.

 

Professor Dr. Caspar Hirschi, Universität St. Gallen, stellte Vergleiche zwischen Büro und Produktion an. Der digitale Plattformkapitalismus führt dazu, dass sich die Grenzen zwischen Industrie- und Dienstleistungssektor zunehmend auflösen. Im Büro halten die Prinzipien des sogenannten Neo-Taylorismus Einzug. Dies führt dazu, dass datengetriebene Methoden der Beobachtung, Bewertung und Kontrolle von Arbeitenden und Arbeitsabläufen zunehmend eine Rolle spielen. Er kommt zum Schluss, dass es hilfreich sein könnte, wenn Fachpersonal aus der Industrie beigezogen wird, um «Irrwege» des digitalen Neo-Taylorismus zu verhindern. Denn die Industrie kann eine lange Erfahrung mit Strategien der Produktivitätssteigerung sowie effizienten Prozessen und Abläufen vorweisen.

 

Zum Schluss warf Professor Dr. Konrad Wegener, iwf/ETH, inspire AG, den Blick in die technologische Zukunft und befasste sich mit der provokativen Frage, was denn nach Industrie 4.0 kommen wird? Seine Antwort: Selbstlernende und selbsthandelnde Systeme. Die Internettechnologie schafft eine noch nie dagewesene Möglichkeit, Daten verschiedenster Quellen zu integrieren um neue Informationen zu schaffen. Bis anhin war es Aufgabe des Menschen, Auswertungen aus unterschiedlichen Systemen zu vergleichen und zu verknüpfen. Ein nächster Innovationsschub könnte nun darin bestehen, die Fähigkeiten biologischer mit denen technischer Systeme zu kombinieren. Die Vision geht in Richtung sachlich unbegrenzter maschineller Autonomie und damit unbeschränkter Beherrschung der Komplexität.

 

Das nächste Swissmem Symposium findet am Donnerstag, 27. August 2020 im Lake Side, Zürich statt. Impressionen zum Anlass finden Sie unter www.swissmem-symposium.ch.